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ICHZEIT

Nimm dir Zeit
Nimm dir Zeit für einen Gedanken
Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken
Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt.

Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt, wenn du ihn denkst,
und wo er war, als du ihn noch nicht dachtest.

Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt, wenn du ihn denkst,
wo er war, als du ihn noch nicht dachtest,
und vielmehr, wo er hingeht, wenn du ihn nicht mehr denkst.

Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt, wenn du ihn denkst,
wo er war, als du ihn noch nicht dachtest,
und vielmehr, wo er hingeht, wenn du ihn nicht mehr denkst,
sondern ihn wiederfindest,
am Ende der Zeit.

Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt, wenn du ihn denkst,
wo er war, als du ihn noch nicht dachtest,
und vielmehr, wo er hingeht, wenn du ihn nicht mehr denkst,
sondern ihn wiederfindest,
am Ende der Zeit,
und dich fragst:
Wer denkt, wenn du Ich denkst?

 

 

Lass uns hoffen

Lass uns hoffen,
lass uns spüren,
du bist noch,
bist uns nah.

Mein Geist
kanns ertasten,
du selbst
bist noch da.

Nichts können wir sehen,
nichts hören von dir.
Doch manchmal dich fühlen,
als wärest du hier.

Die Tür ist geschlossen.
Du kommst nicht zurück.
Vom Irdischen bist du
in die Himmel entrückt.

Ein Hauch deines Wesens,
deine Liebe, dein Mut;
Sie sind uns geblieben,
das stärkt und tut gut.

Wir sind dir so dankbar
für jeden Moment,
da du mit uns lebtest;
jetzt sind wir getrennt.

Wir wollen nun alles
empfangen wies kommt.
Sei gesegnet im Himmel,
segne du was uns frommt.

 

Herzzeit

Wie jedes Jahr
zur Frühlingszeit
blüh’n Baum und Feld
im Hochzeitskleid
und tausend liebe Vögelein

jubilieren silberfein

Doch jedes Jahr ach, sind wir älter
die Luft erscheint uns spürbar kälter
das Licht es wirket etwas trüber
die Ruhe wird uns immer lieber

und unser Herz?

Was zaget es mir in der Brust
sehnt sich nach Ruh, als auch nach Lust
will nach draussen und nach drin’
es fühlt sich alt sowohl als jung
Das Herz, es ziemt ihm nicht das Alter
verpuppts sich und blüht wie ein Sonnenfalter
mit jedem Einstrom Vergangenes halten
mit jedem Ausstrom
die Zukunft gestalten
es wird und ward
und ist in mir
im fernen All
im jetzt und hier

Das Herz gestaltet unsre Zeit
und weset selbst in Ewigkeit

Vergänglichkeit

Zwiespalt der Vergänglichkeit
ihre Schulter erscheinet uns kühl
doch edelt sie den Augenblick
zum Juwel

Dass ein Ding nicht ewig dauert
verleiht ihm jene Kostbarkeit
deretwegen wir zu leben
uns einst entschlossen hatten

Ewigkeit auf Erden
führte zur Übersättigung
Das Vergängliche aber
schreibt sich ein ins Buch der Zeit
und bleibet damit aller Ewigkeit erhalten

Die Ewigkeit ist jenes Buch
in der die Augenblicke eingetragen bleiben
die das Zeitliche ins Leben schrieb

 

November

Draussen nächtets,
drinnen glimmt’s.
Wess’ Freudefunken ist’s?
Ich schau hinein,
in mich
und sehe nichts,
nur dunkel.
Was ist dies Glimmen?
Licht ohne Feuer?
Nein, der Hoffnung Flaum,
der Sehnsucht Saum,
die ich zu hegen habe,
bang gelassen aus Erfahrung.
Was kommt gewisser;
der nächste Sommer oder der Winter?
Nun ist nichts als nur noch diese Dichte,
unausgesprochen dunkel
und doch ahnungsvoll erhellt.
Vorwärts! Vorwärts?
Ein Trösten, Hauch der Ewigkeit
in diesem Glimmen.
Vielleicht kann ich’s haschen.
Doch wer, wenn dies Glimmen erlischt
gibt mir Licht?
Welch seltsame Erfahrung:
Wend’ ich mich ab, so tut es dies auch.
Hab’s doch gewusst. Dieser Trug!
Verlass dich nicht auf ferne Lichter…!
Bleib ich stehn, steht es auch.
Wende mich um, einen Schritt, noch einen.
Ist’s meine eigene Ferne, die die Distanz schafft
oder rafft, und wenn ja, wie ist’s mit dem Licht?
Fehlt es tatsächlich oder bin ich’s an dem es gebricht?
Wunder der Augen! Sehen sie doch, was zu sehn sie gar nicht vermögen.
Wunder der Sinne, empfangen sie das, woraus selber sie erst sind.
Und die Schatten, die Kälte?
Das Zwischending!
Mir gegeben, zu erkennen
das Hier, das Dort
und das Dazwischen
und wie das eine
im andern lebt
ohne Verwischen.
Ich-Bürger zweier Welten
voller Wärme, voller Licht,
Die Kühlung bringt uns nicht zum Frieren
Die Dunkelheit macht uns noch lange nichtblind!
Lass uns an diesem Ort verweilen!
Und innig sein
zwischen der Erinnerung
und dem neuen Werden.