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Hingabe an das Leben

Für Stephan

Was nah war liegt ferne
was fern war liegt nah
Selbst das Licht fernster Sterne
leuchtet hier und ist da

Leben ist Geben 
Geben und Nehmen
Nehmen ist endlich     
Geben nicht       
Geben ist schlicht                
unendlich 

Unendlich ist alles               
alles und nichts          
Nichts ist vergebens    
Der Tod selbst versprichts     
«ich bin dein Geben,  
Hingabe an’s Leben»

EHE – dem

Wie liegt in unserer Sprache drin
oft ein verborgener, tieferer Sinn
So zeigt uns das kleine Wörtchen Ehe
(manch ältrer Mensch hört hier schon „oh Wehe“)
es deutet das Wörtchen Ehe schlicht
weder auf Gunst noch auf die Pflicht,
es deutet darauf, dass – ehe man’s versieht –
ein Pärchen flux zusammengefügt.

Bei vielen Begriffen – danach und davor –
kommt das Wort Ehe versteckt darin vor.
Sagt man GeschEHEn, so meint man fatal:
„Es ist wie es ist – so ist es nun mal.“
Doch selten fragt einer: „wo kommt das nur her?“
Ich will’s euch verraten, es ist nicht so schwer:
„Gesch du oder muss ich?“ so fragt manch ein Pärchen.
Man muss es gestehen: Gesch-Ehen geschehen.

Ein weiteres Wort, zum Unwort verkommen,
ist das VersEHEn. Es bleibt unbenommen
ein allzu leichtfertig verwendetes Wort
Denn Vers-Ehen wirken belustigend fort.
Man stelle sich vor, sie reimet im Laden,
sie reimet im Bett und sie reimet im Wagen,
und findet er mal keinen passenden Reim,
so sagt sie frustriert: heut Nacht kommst du nicht rein.

Es kann jeder und jede von euch noch ganz viele
Ehe-Worte finden und –Spiele
Ein kurzes Wort noch zum wölbigen Schlauch
den gewöhnlich man nennt den verheirat’en Bauch.
Ein Kindlein will wachsen, will trinken, bald springen
und alsbald mit Trotz seinen Willen erringen.
Da muss man ErziEHEn, und Er glaubt an den Brauch,
er ziehe alleine, doch meist zieht Sie auch.

Was seh ich, oh Schreck: im Erziehen ist wieder
nach „Erzi“ das Wort Ehe; – die zieh’n also auch.
Und zieht in den Ehen ein jeder gut mit,
dann bleibt man stets aktiv, beweglich und fit.
Man wird miteinander das Leben begEHEn
und wird so gemeinsam das Leben bestEHEn.

So schafft die beste aller Best-Ehen

Notre Dame

Ist auch nicht das Kirchenschiff das Heilige,
vielmehr die Innigkeit der Seele,
die darin Andacht feiert,
so erschüttert uns doch,
wenn das äussere Kleid zusammenbricht.
Nun heisst es, leibfrei zu  beten.
Wohlan, wer gerüstet ist.
Und wohlan, wer nicht gerüstet ist.
Denn der Fingerzeig gilt uns.
Siehe, er ist gnädiger als unser Erschrecken.

Der Dichter

Der wahre Dichter
hat viele Gesichter.
Je nach Laune
schreibt er leicht‘
oder gewichter.

Sehr selten nur spricht er.

Spricht er doch,
wird der Dichter
ein verflixter
Berichter.
Mär und Wahrheit
verflicht er,
wird schnell gröber,
oft schlichter,
und damit zum geistigen
Inhaltsvernichter.

Doch merkt er‘s,
unterbricht er,
denn auf Geist
ist erpicht er.

 

 

 

ICHZEIT

Nimm dir Zeit
Nimm dir Zeit für einen Gedanken
Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken
Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt.

Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt, wenn du ihn denkst,
und wo er war, als du ihn noch nicht dachtest.

Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt, wenn du ihn denkst,
wo er war, als du ihn noch nicht dachtest,
und vielmehr, wo er hingeht, wenn du ihn nicht mehr denkst.

Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt, wenn du ihn denkst,
wo er war, als du ihn noch nicht dachtest,
und vielmehr, wo er hingeht, wenn du ihn nicht mehr denkst,
sondern ihn wiederfindest,
am Ende der Zeit.

Nimm dir Zeit, um einen Gedanken zu denken und dich zu fragen,
wo der herkommt, wenn du ihn denkst,
wo er war, als du ihn noch nicht dachtest,
und vielmehr, wo er hingeht, wenn du ihn nicht mehr denkst,
sondern ihn wiederfindest,
am Ende der Zeit,
und dich fragst:
Wer denkt, wenn du Ich denkst?