Die Blume fühlts

Die Blume fühlt
wenn sie tief in sich hinein spürt
wenn sie tief in sich hinunter lauscht
sich – im Erdenmuttergrunde wurzelnd

Der Mensch hingegen
steht mit eignen Beinen
mit eignen Füssen selber auf der Erde

Doch wenn der Mensch fühlt
wenn er tief in sich hinein spürt
wenn er tief in sich hinunter lauscht
jenen Muttergrund, der tiefer
und weiter als aller Pflanzenerdengrund
uns nährt, uns trägt
der schon mein und deine Mutter nährte
und für uns sorget
für und für

 

 

Kalte Welt?

Wie ist die Welt so kalt;
nicht immer zwar, nicht überall,
doch Winter oder Seelenfrost
klirrt wie Schmerz.
Wir schrecken zurück.

In der Zeitenwende
ging Licht übers Wasser.
Es erschraken die Menschen
da das Wasser trug.

Jetzt ist es kalt bei uns.
Frost klirrt.
Ob der Kälte bildet Eis das Wasser
und es trägt,
trägt auch uns
und keiner erschreckt
und keiner fragt:
„wie kann das sein?“

Das Wunder ist erklärbar,
darum kein Wunder;
doch Anlass zum Staunen
und zur Dankbarkeit
allemal!

 

 

Kroe Tee

Ich habe ein Tässchen Kroe Tee geschluckt

und dabei sogleich eine Kröte gespukt

die ist zu mir ins Zimmer gejuckt

hat an meinem Tischchen geruckt

dabei mich auffordernd angeguckt

mit ihren zwei Quak-Blasen aufgemuckt

da ward sie zwischen den Blasen zerdruckt

 

und wär‘s nicht geschehn

hät ich’s nicht gesehn

und wärs nicht passiert

so häts mich geniert

 

Kraft der Schlange

Von der Schlange
haben wir die Kraft
uns zu winden
nicht nur um den Stamm
auch um den Stift
mit dem wir Licht
ins Dunkel unserer Gedanken
zeichnen

Klebrig ist die Tintenspur
die Aufmerksamkeit
bleibt dran hängen
und weckt Bewusstsein

Doch bedenke
Die Gabe der Schlange
bleibt verbunden
mit dem Tod
Und ihr Geschenk
erfüllt sich erst
in der Selbstlosigkeit
der Hingabe

Nichts

Was hindert dich
emporzusteigen durch die Kloake
durchzubrechen durch das Eis
und zu atmen die Luft
die durchlichtete
Freiheit genannt

Was hindert dich
die Bande fallen zu lassen
die dich engt und zurückhält
zu gehen wo du willst

Was hindert dich
zu ergreifen das Hier und Jetzt
das die Welt erschüttert
und Himmel zum Klingen bringt
das Göttliche in dir erweckt

Was hindert dich
als allein das Nichts

 

Gedichte