Archiv der Kategorie: Beziehung

Fremde

Ich bin bei dir

erlebe dich

spüre dich

nehme dich wahr

atme mit dir

atme dich

und werde ein Stück Du

 

Du bist mit mir

erlebst mich

und etwas von mir

haucht in dich

bleibt in dir

und du wirst ein Stück Mich

 

Aufnehmen ist geronnene Liebe

Das Bleibende ihr Geschenk

 

Auch du, Fremde oder Fremder

unsere Begegnung ist atmen

ich atme dich ein

nehme dich auf

und werde ein Teil du

ein Stück dich

ob Frau, ob Mann, ob Kind

und du atmest mich ein

erlebst mich

nimmst mich auf

und wirst ein Stück Mich

 

Begegnung

Quelle der Geschwister

Quelle der Erfüllung

Quelle des Friedens

 

 

Mich in mir

Du, mein Neben-

und mein Ummich

Du mein Mich in mir

mein Beimir

mein Zwischen-, Über-

und Untermir

mein Von- und Zumir

Du mein Leib

der du mich bist

und doch so anders

als ich selber bin

Verführer und Erhalter

Bleibe, oh bleibe mir noch

Um ohne dich zu sein

bedarf

bedarf ich

bedarf ich erst noch deiner!

Doch dann

wenn auch ohne dich

ich weiterbestehen kann

dann

– einst –

werde ich dich erlösen

von Vater

von Mutter

ja selbst von mir

zum wahren Sein

 

Was sprichst du mir

 Was sprichst du mir – Blut – in den Adern von Heimat?
Was sehnst du mir   –  Seele  –   dem Leibvater nach?
Was hängst du mich – Leben – an mütterlich Sinnen?
Was wähne ich selbst solchen Ursprungs mich hier?

 Ein neues Gefüge zerreisset das alte.
Es brennet mir tief meine Freiheit zurück:


Nicht geboren wurd ich dereinst, am Anfang des Lebens;
geboren werd ich heute, und von heut bis zum Schluss


Ich erbe nicht Brüder, die gewinn ich von neuem
Wenn Himmelsgeschichte zur Erde fährt,
mein Leben neu nährt,
mich mit leibfreiem Bruder,
urständiger Schwester,
den uralten Zielfaden
zu erquickendem Liebeflechten
verweben lässt.

Radix

Entwurzelt liegt saftlos

die Rübe auf dem Feld,

dem Urgrund entrissen,

der den Strom des Lebens

ihr vormals gegeben.

 

Zurück?

 

Zurück ist nicht mehr.

Nicht verjüngend ist die Rückkehr.

Als Speise liegt die Rübe zum Verzehr.

 

Wenige nur,

die dem Strom des Lebens treu geblieben,

gepflegt zur Samenbildung,

die in sich trägt den Keim

zu neuem Werden.

 

Mensch des Westens,

des Südens und des Ostens.

Deine Wurzel, tief gegründet

war sie einst im Muttergrund.

Nun liegst du, zerstreut,

von Angst und Ohnmacht halb gelähmt.

 

Besinne dich.

Da sind Einzelne,

die nicht vergessen haben

und gepflegt den Lebensstrom

und Keim um Keim den Samen weitergeben,

dass neu verbinde sich dem Grund,

das Geschlecht der Menschen

und erspriesse und entfalte jenen Baum,

der dem Zeitenstrom entrissen,

blüht und fruchtet immerdar;

nicht fragend nach dem Stoff, der Art,

nur nach dem Sein,

das der Erfüllung harrt.

 

 

Der Ruf

ER hat mir gerufen

ich hab’s nicht gehört

weil dieses Kind, das da schrie

mich gestört

Ich sagte: „Sei still!“

Da ist ES verstummt

Mir hat danach

der Schädel gebrummt

Ich hab darauf etwas

zu suchen begonnen

und nichts gefunden,
nichts gewonnen

Ich hab nichts gesehen

ich war so wie blind

doch nun seh ich’s

Es war immer

bei mir

– ES   WAR –

durch das Kind.

 

 

Schön bist Du wie die Blumen

Es ist das Schöne an den Blumen

dass sie auf kleinstem Erdenkrumen

nichts suchen, als das Hier und Jetzt

am Ort an dem sie hingesetzt.

Sie freuen sich am Sonnenlicht

und wenn ein Kind zu ihnen spricht.

Sie  freu’n sich ebenso am Regen

und betrachten es als Segen

dass Wärme, Kälte, Schnee und Wind

im steten Wechsel um sie sind.

Blumen haben das schöne Vermögen

dem Unabänderlichen sich hinzugeben.

In dieser Tugend find ich dich verwandt

dem lichten Blumenzauberband.

Im hohen und tiefen Lebenslauf

hörst du nicht zu blühen auf.