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Verstehen

Mit welcher Himmelskraft
musstest du
mein Bruder
meine Schwester
gelitten und bewahrt
und durchgetragen haben
bedroht durch dunkle Welt
dass heute noch
dein Auge leuchtet?

Was musstest du
meine Schwester
mein Bruder
an Himmelsgaben
alles lassen
dass du dich
so verschliessen musst
das letzte Gut zu wahren.

Jeder Mensch
bringt anfangs zur Welt
das offene Leuchten
seiner Kinderaugen
voller Vertrauen
gutem Willen
und sprühender Liebe.

Wenn du heute
in ein Menschenauge blickst
und siehst Misstrauen
Angst und Verbitterung nur
dann bedenke
was dieses Menschenkind
an Bitterkeit, Bedrohung
und Erniedrigung
auf seinem Lebensweg
erleiden musste.

Indem du das bedenkst
findest du den Keim
der das Leben, die Freude
die Liebe wieder erweckt
und segnend alte Wunden
zu heilen beginnt
in dir und in mir
und in jedem Menschenbruder
jeder Menschenschwester.

 

 

 

EHE – dem

Wie liegt in unserer Sprache drin
oft ein verborgener, tieferer Sinn
So zeigt uns das kleine Wörtchen Ehe
(manch ältrer Mensch hört hier schon „oh Wehe“)
es deutet das Wörtchen Ehe schlicht
weder auf Gunst noch auf die Pflicht,
es deutet darauf, dass – ehe man’s versieht –
ein Pärchen flux zusammengefügt.

Bei vielen Begriffen – danach und davor –
kommt das Wort Ehe versteckt darin vor.
Sagt man GeschEHEn, so meint man fatal:
„Es ist wie es ist – so ist es nun mal.“
Doch selten fragt einer: „wo kommt das nur her?“
Ich will’s euch verraten, es ist nicht so schwer:
„Gesch du oder muss ich?“ so fragt manch ein Pärchen.
Man muss es gestehen: Gesch-Ehen geschehen.

Ein weiteres Wort, zum Unwort verkommen,
ist das VersEHEn. Es bleibt unbenommen
ein allzu leichtfertig verwendetes Wort
Denn Vers-Ehen wirken belustigend fort.
Man stelle sich vor, sie reimet im Laden,
sie reimet im Bett und sie reimet im Wagen,
und findet er mal keinen passenden Reim,
so sagt sie frustriert: heut Nacht kommst du nicht rein.

Es kann jeder und jede von euch noch ganz viele
Ehe-Worte finden und –Spiele
Ein kurzes Wort noch zum wölbigen Schlauch
den gewöhnlich man nennt den verheirat’en Bauch.
Ein Kindlein will wachsen, will trinken, bald springen
und alsbald mit Trotz seinen Willen erringen.
Da muss man ErziEHEn, und Er glaubt an den Brauch,
er ziehe alleine, doch meist zieht Sie auch.

Was seh ich, oh Schreck: im Erziehen ist wieder
nach „Erzi“ das Wort Ehe; – die zieh’n also auch.
Und zieht in den Ehen ein jeder gut mit,
dann bleibt man stets aktiv, beweglich und fit.
Man wird miteinander das Leben begEHEn
und wird so gemeinsam das Leben bestEHEn.

So schafft die beste aller Best-Ehen

Flüchtlinge

Wer hat sie
wer hat sie gesehen
diese Augen
wer kann widerstehe
diesem Blick
der – entrissen der Heimat –
nur fleht
nimm mich

Wer nimmt ihn
wer nimmt ihn auf
jenen Blick
wer schliesst auf
und lässt zu
zu teilen
den eigenen Namen
mit Geschwistern ganz anderer Haut

Wer hält
wer hält stand
jener Träne
die nicht wollte
was geschah
die sich sehnt
nach dem Muttergrund
und nur fragt – warum

Wer gibt
wer gibt die Antwort
die einzige wahre
die Ja sagt
ja, deine Not ist auch meine
und aufschliesst
aufschliesst den Zaun
und Land und Herzen öffnet

Du zum Ich
Ich zum Du

 

 

Lichtträger

Du trägst ein Licht in dir

das treu den Weg dir leuchtet

Halte es in die Höhe

am Ufer des Meeres

nachts wenn es finster ist

und schaue hinaus

Es wird dir dort

nicht weiter erhellen die Sicht

und dunkel bleibt die Ferne

Doch weit draussen

wird das Licht

das du trägst

gesehen

denn ab hier

leuchtet es für andere

weist Fremden den Weg

Du trägst ein Licht in dir

es leuchtet weit

weiter als dein Auge reicht