Archiv der Kategorie: Erkenntnis

Mich in mir

Du, mein Neben-

und mein Ummich

Du mein Mich in mir

mein Beimir

mein Zwischen-, Über-

und Untermir

mein Von- und Zumir

Du mein Leib

der du mich bist

und doch so anders

als ich selber bin

Verführer und Erhalter

Bleibe, oh bleibe mir noch

Um ohne dich zu sein

bedarf

bedarf ich

bedarf ich erst noch deiner!

Doch dann

wenn auch ohne dich

ich weiterbestehen kann

dann

– einst –

werde ich dich erlösen

von Vater

von Mutter

ja selbst von mir

zum wahren Sein

 

Brautschleier

Weisst du, dass du
Zeit deines Lebens
einen Brautschleier trägst?
Ob Mann, ob Frau, auch Kind
der dich verhüllt
und dir verhüllt
was zu sehen nicht
– noch nicht –
nicht in der Zeit
was aber einst
in einem Mal
enthüllt und sich enthüllen wird
was ist, was war, was immer war
jenseits der Vergänglichkeit

Und wenn die Nacht kommt
deine Nacht
dann wendet sich der Schleier
und traut die Braut

Weisst du, dass du einen Schleier trägst
einen Brautschleier
und hat auch einen Namen
einen Wandlernamen.

Wie nennst du ihn?
Ich nenne ihn DU

Was sprichst du mir

 Was sprichst du mir – Blut – in den Adern von Heimat?
Was sehnst du mir   –  Seele  –   dem Leibvater nach?
Was hängst du mich – Leben – an mütterlich Sinnen?
Was wähne ich selbst solchen Ursprungs mich hier?

 Ein neues Gefüge zerreisset das alte.
Es brennet mir tief meine Freiheit zurück:


Nicht geboren wurd ich dereinst, am Anfang des Lebens;
geboren werd ich heute, und von heut bis zum Schluss


Ich erbe nicht Brüder, die gewinn ich von neuem
Wenn Himmelsgeschichte zur Erde fährt,
mein Leben neu nährt,
mich mit leibfreiem Bruder,
urständiger Schwester,
den uralten Zielfaden
zu erquickendem Liebeflechten
verweben lässt.