Archiv der Kategorie: Allgemein

genesen

Ideen gestalten
das Leben erhalten
dem Ziele sich stellen
den Auftrag erfüllen

und

Das Leben geniessen
sich gehn lassen und fliessen
geführt ganz von Sinnen
erblühn und zerrinnen

Diese zwei Haltungen
sind zwei Seiten des Seins
wie beim Papierblatt
es gibt zwei oder keins

So sind wir gestellt
in die Tugend der Welt

Zerfliessend – das Leben erhalten
empfindend – Ideen gestalten
geniessend – den Auftrag erfüllen
gelassen – der Pflicht sich stellen

Lässt sich das eine
im andern erlösen
wird das Menschenwesen
genesen

 

Fremde

Ich bin bei dir

erlebe dich

spüre dich

nehme dich wahr

atme mit dir

atme dich

und werde ein Stück Du

 

Du bist mit mir

erlebst mich

und etwas von mir

haucht in dich

bleibt in dir

und du wirst ein Stück Mich

 

Aufnehmen ist geronnene Liebe

Das Bleibende ihr Geschenk

 

Auch du, Fremde oder Fremder

unsere Begegnung ist atmen

ich atme dich ein

nehme dich auf

und werde ein Teil du

ein Stück dich

ob Frau, ob Mann, ob Kind

und du atmest mich ein

erlebst mich

nimmst mich auf

und wirst ein Stück Mich

 

Begegnung

Quelle der Geschwister

Quelle der Erfüllung

Quelle des Friedens

 

 

Dramatik der Welle

Stille

Sie trügt am See

Wechselspiel der Elemente

wenn Winde gegen Wasser blasen

Wallen Wasser Wellen wogender Bogen

Wollen wallend wie Wände übereinander fallen

Wo Wogen gegen Wogen wogen schäumt der Kamm

Wo keine Gegend zugegen wogen Wellen gegen Nichts

Wo sie wo dagegen wogen, dann brischt die Gischt im Schaum

Und Wellen schlagen über und unter sich durch sich hindurch

Wo gehn die Wellen, wo gehn sie hin nach dem Wogen

Wenn sie leichter wellen als sie wiegen

Leichter wogen als sie wogen

Wenn sie – wechselseitig

Einander unterliegen

Sich besiegen

Im Liegen

Und im

Ruhn

 

 

Mich in mir

Du, mein Neben-

und mein Ummich

Du mein Mich in mir

mein Beimir

mein Zwischen-, Über-

und Untermir

mein Von- und Zumir

Du mein Leib

der du mich bist

und doch so anders

als ich selber bin

Verführer und Erhalter

Bleibe, oh bleibe mir noch

Um ohne dich zu sein

bedarf

bedarf ich

bedarf ich erst noch deiner!

Doch dann

wenn auch ohne dich

ich weiterbestehen kann

dann

– einst –

werde ich dich erlösen

von Vater

von Mutter

ja selbst von mir

zum wahren Sein

 

Brautschleier

Weisst du, dass du
Zeit deines Lebens
einen Brautschleier trägst?
Ob Mann, ob Frau, auch Kind
der dich verhüllt
und dir verhüllt
was zu sehen nicht
– noch nicht –
nicht in der Zeit
was aber einst
in einem Mal
enthüllt und sich enthüllen wird
was ist, was war, was immer war
jenseits der Vergänglichkeit

Und wenn die Nacht kommt
deine Nacht
dann wendet sich der Schleier
und traut die Braut

Weisst du, dass du einen Schleier trägst
einen Brautschleier
und hat auch einen Namen
einen Wandlernamen.

Wie nennst du ihn?
Ich nenne ihn DU