Archiv der Kategorie: Allgemein

genesen

Ideen gestalten
das Leben erhalten
dem Ziele sich stellen
den Auftrag erfüllen

oder

das Leben geniessen
sich gehn lassen und fliessen
geführt von den Sinnen
erblühn und zerrinnen

Diese zwei Haltungen
Aspekte des Seins
wie beim Papierblatt
zwei Seiten oder keins

So sind wir gestellt
in die Tugend der Welt

Zerfliessend das Leben erhalten
empfindend Ideen gestalten
geniessend den Auftrag erfüllen
gelassen der Pflicht sich stellen

Lässt sich das Eine
im Andern erlösen
wird das Menschenwesen
genesen

 

 

Heilig kam ich in die Welt

Heilig kam ich in die Welt,
Heilig und voll guten Willens,
denn ich war ein Kind.
Gutes sah ich, nur Gutes.
Gutes wollte ich tun, nur Gutes.
Und ich tat das Gute.
Die Welt aber ist Widerstand.
Dadurch ward das was ich tat, nicht so wie ich wollte, sondern blieb unvollkommen.
So blendet die Welt sich und mich, dass nicht mehr zu sehen ist das Gute, sondern nur noch das Unvollkommene.
Ich schämte mich.
Ich sah, dass das was ich tat, nicht gut war.
Ich schämte mich meiner Tat
und ich schämte mich meiner.
Denn es kann nicht gut sein, wer Unvollkommenes tut.
Das Unvollkommene ist nicht gut, es ist böse.
So erkannte ich, dass ich nicht gut bin, sondern böse.
Und ich schämte mich und verbarg mein Inneres - das gut sein wollte, aber unvollkommen wirkte - mit meinem Äusseren - das unvollkommen war, aber gut schien.
Damit kam die Lüge in mich, die gut erscheint, aber böse ist.
Die Lüge begleitete mich fortan.
Und fortan war mein Handeln nicht mehr eines, sondern zweigeteilt.
So lebte ich fort, in der Welt und mit der Welt, die auch zweigeteilt ist.
Ich lebte lange Zeit so fort.
Manchmal begegnete ich meiner Scham.
Und ich fragte mich, wo mein Gutes geblieben sei.
Dann drängte manchmal, ganz zaghaft zwar, ganz selten nur, eine Ahnung meines heiligen Ursprungs herauf.
Die Ahnung meiner selbst.
Und eine Sehnsucht macht sich bemerkbar.
Die Sehnsucht, wieder ganz,
wieder gut,
wieder heilig zu werden.
Die Welt versteht das nicht.
Die Welt verdrängt und übertönt diesen Wunsch.
Der Wunsch aber ist ein starker Wunsch.
Er lässt sich beiseite schieben, aber er lässt sich nicht auslöschen.
Er drängt mich manchmal in der Nacht, ohne dass ich davon weiss.
Manchmal flammt er auf, wenn ich einem Kind in die Augen schaue.
Manchmal wird er angerührt, wenn mir jemand vertraut.
Manchmal beschämt er mich, wenn mir jemand vertraut.
Und dann weiss ich, dass es nicht verloren ist,
dass es erreichbar ist,
ja, dass mein ganzes wahres Streben 
nichts anderes ist, als die Überwindung der Unvollkommenheit durch mein heiliges Inneres.
Das ist wahre Freiheit.
Das ist Liebe. 



 

Weihnachtsfenster

Erhaben leuchtest du, Verheissung
erhaben und mächtig
deine blaue Unendlichkeit
ewige Wohnung der himmlischen Wesen
und Atem im Hier und Jetzt
aus höchster Himmelsferne
bis hier zu meinem Ort, an dem ich stehe
und mit mir, meine Brüder, meine Schwestern
und alle Menschen um mich herum.
Du führst uns durch deinen blauen Himmel
durch deine leuchtende
durch deine strahlende Zuversicht zusammen.
Alle Kreatur erschütterst du mit deiner Anwesenheit
mit deinem bei-uns-Sein
durch die Bläue des Himmels.
Durch jeden Atemzug leben wir Dich
und jubeln in deiner Kraft.
Es darf geschehen
es wird geschehen
dass auferbaut wird die grosse Stadt
die Gemeinschaft der Völker und Rassen
Brüder und Schwestern
geboren in der Kraft
der unendlich weiten Liebe.